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Berlin-Neukölln (Ortsteil Britz)

Die Ausgangssituation

Das Wohnhaus im Norden von Britz verfügt über eine Wohnfläche von knapp 3.500 m² und beinhaltet 65 Wohnungen. Das 1931 errichtete Gebäude befindet sich nur knapp fünf Autominuten von der denkmalgeschützten Hufeisensiedlung entfernt, die zur gleichen Zeit erbaut wurde und seit 2008 zum UNESCO-Welterbe zählt. Die etwa 100 Mieterinnen und Mieter des Gebäudekomplexes blicken in westlicher Richtung auf die dreigeteilte Modellfläche. Die umzugestaltende Anlage umfasst etwa 450 m². Hier soll gezeigt werden, wie sich auch auf kleineren Grünflächen eine große Wirkung entfalten lässt.

Ökologische Umgestaltung

Die Planung

Auf der bisher von zwei Nadelbäumen geprägten, dreigeteilten Grünfläche soll eine Trockenrasen-Pflanzgesellschaft auf trockenem, sandigem und kalkhaltigem Boden entstehen. Das Pflanzkonzept ist der nacheiszeitliche Steppenvegetation und der ehemaligen Kulturlandschaft des Berliner Raumes nachempfunden. Neben einem Hügelbeet mit Trockenmauer, Lesesteinhaufen, Magerrasen-Flächen, Totholz-Bereichen, flächigen Polsterstaudenpflanzungen und einem Treffpunkt mit schattenspendendem Hochstamm entsteht hier auch ein großzügiges Gründach mit robuster Sedum-Bepflanzung (Dickblattgewächse).

Die Umgestaltung

Zur Vorbereitung der Flächen war es zwingend notwendig die 30 Jahre alten Fichten zu fällen. Die Bäume sind nicht standortgerecht, beschatten die Fläche und versauern den Boden durch die anfallende Nadelstreu. Die Baumaßnahmen liefen ab Herbst des Jahres 2018 bis zum Frühjahr 2019.

Statements zur Modellfläche von Treffpunkt Vielfalt in Berlin Britz
Vorher-Nachher-Vergleich (bitte auf Fotos klicken)
Impressionen nach der Umgestaltung
Pflegemaßnahmen auf der Fläche

In der Pflege unterscheidet man zwischen der Entwicklungspflege (etwa 2 bis 3 Jahre nach der Anlage des Gartens) und der Dauerpflege (ab dem dritten Jahr). Während der Entwicklungspflege werden neben den Maßnahmen der Dauerpflege zwei- bis dreimal pro Jahr unerwünschte Pflanzen entfernt. Im Rahmen der Dauerpflege wird der Fortbestand der einzelnen Gartenelemente gesichert, Rasen und Wiesen werden gemäht und Stauden und Sträucher zurückgeschnitten.

Da sich die Pflege naturnaher Flächen von der konventionellen Grünflächenpflege unterscheidet, beinhaltet das Projekt auch spezielle Schulungen für Gartendienstleistende. Gemeinsam mit Fachberaterinnen und Fachberatern werden Pflegeworkshops mit theoretischen und praktischen Inhalten auf den jeweiligen Modellflächen durchgeführt.

Begleitende Kommunikation für Vorstände und Genossen der "BWV"
Die Infoveranstaltungen

Um das geplante Pflanzkonzept und den Zeitraum der Umgestaltung zu präsentieren, trafen sich in einer Schule in unmittelbarer Nähe der umzugestaltenden Fläche in Berlin-Britz Mieterinnen und Mieter, Vertreterinnen und Vertreter des Beamten-Wohnungs-Vereins zu Köpenick eG (BWV) und der Stiftung für Mensch und Umwelt. 17 interessierte Mieterinnen und Mieter des Wohnblocks folgten der Einladung. Die Arbeiten liefen ab Herbst 2018. Die Mieter äußerten große Zustimmung zum vorgestellten Pflanzkonzept, das sich mit einer „steppenartigen Vegetation nacheiszeitlicher Entwicklung“ an den natürlichen Boden- und Klimavoraussetzungen des Berliner Raumes orientiert.

Die Einweihung

Die feierliche Eröffnung unserer zweiten Modellfläche in Berlin-Britz war – trotz starker Niederschläge – ein voller Erfolg. Unter den knapp 40 Gästen befanden sich Vertreterinnen und Vertreter der kooperierenden Berliner Wohnungsbaugenossenschaft und weitere Projektbeteiligte. Nach den Eröffnungsreden wurden die Informationstafeln eingeweiht und es folgte ein munteres Beisammensein bei vegetarischem Catering und regem Austausch über die neue naturnahe Fläche in direkter Nachbarschaft. Bewachsene Trockenmauern, bewohnte Nisthilfen, Steinhügel mit Kleintieren, Totholz mit summenden Insekten und Blühflächen mit Lesesteinen bieten eine naturnahe Umgebung inmitten eines städtisch geprägten Umfelds.

Naturgarten-Training für den Hauswart der "BWV"
Entwicklungspflege

Damit die Ansaaten und frisch gesetzten Stauden und Gehölze gut anwachsen und ihre volle Schönheit entfalten können, müssen sie nach der Pflanzung intensiv gepflegt werden. Hierzu ist die Entwicklungspflege erforderlich.

Bei Pflanzungen im Frühjahr und Sommer ist es besonders wichtig, dass die Ansaaten, Stauden- und Gehölzpflanzungen in den ersten Wochen bis zum Einwurzeln ausreichend bewässert werden. Weitere wichtige Arbeitsschritte sind das Freihalten der Pflanzungen von unerwünschten Arten sowie Schnitt- und Pflanzenschutzmaßnahmen. Die Säume und Wiesen werden ein - zwei Mal im Jahr gemäht. Hinzukommen noch Nachsaaten und/oder Nachpflanzungen, sofern es erforderlich ist.

Pflegeseminare für Gartendienstleistende des BWV

Auf der Modellfläche fand unter Leitung der Stiftung für Mensch und Umwelt und der Landschaftsarchitektin Renate Fröse-Genz der erste Pflegeworkshop statt. Auf der umgestalteten Fläche kam es zu einem regen Austausch der Projektverantwortlichen und der Gartendienstleistenden. Welche Unterschiede gibt es in der Pflege beim Naturgärtnern im Vergleich zur herkömmlichen Grünflächenpflege? Wie steht es um die Akzeptanz der Gartendienstleistenden für die Modellfläche? Diese und weitere Themen wurden in einem ersten Theorieteil besprochen. Die Flächenverantwortlichen haben zudem ein informatives und praxisorientiertes Skript ausgehändigt bekommen. Im Anschluss folgte der gemeinschaftliche Pflegeeinsatz.

Naturräumliches Potenzial - Umgebung der Modellfläche

Neben dem stark urban geprägtem Umfeld der Modellfläche, finden sich auch mehrere naturnahe Flächen mit Potential für eine Vielzahl von Lebensräumen für Säugetiere, Amphibien, Vögel und Insekten. Hervorzuheben ist dabei der direkt südöstlich angrenzende der Friedhof Buschkrugallee. Bei einer entsprechenden naturnahen Gestaltung können Friedhöfe äußerst attraktive Lebensräume für Pflanzen und Tiere bieten. Das im Rahmen der UN Dekade biologische Vielfalt ausgezeichnete Projekt belegt dies eindrucksvoll. Der Friedhof grenzt an den Uferrand des Teltowkanals, welcher in diesem Bereich eine Breite von 30 – 50m aufweist und somit ebenfalls viele Lebensräume bietet. Dieser Uferbereich ist weniger als 200m von der Modellfläche entfernt.
In einem etwas größeren Kontext betrachtet, bietet sich über den etwa 900m entfernten Park am Buschkrug die Möglichkeit von positiven Fernwirkungen durch die etwa 1,5km entfernte Kleingartenanlage Ideal III eV in Berlin Neukölln. Dieses Areal mit seinen gut 200 Parzellen nimmt knapp 7,5ha Fläche ein. Ein grüner Verbund aus Parks und Friedhöfen zieht sich, ausgehend von der Modellfläche, in südlicher und südwestlicher Richtung bis in den gut 3km entfernten Britzer Garten. Dieser knapp 100ha große Park zählt zu den größten in Berlin und beheimatet dabei über 6.500 Bäume. Das Tempelhofer Feld ist zwar lediglich 1,5 km in nordwestlicher Richtung entfernt, bietet jedoch durch mangelnde grüne Verbindungsflächen nur bedingt das Potential für einwandernde Tierarten.

Berlin - Neukölln (Ortsteil Britz)

Bezirk Neukölln
Fläche: 44,93 km² / Einwohner: 328.000 / Bevölkerungsdichte: 7.300 Einwohner/km²

Stadt Berlin
Fläche: 891,85 km² / Einwohner 3.575.000 / Bevölkerungsdichte: 4.009 Einwohner/km²

Der Ortsteil Britz, der dem Berliner Bezirk Neukölln zugeordnet ist, befindet sich im Süden der Hauptstadt. In diesem bunten Bezirk leben über 323.000 Einwohnerinnen bzw. Einwohner vieler Nationalitäten. Neben seiner multikulturellen Vielfalt finden sich auch viele grüne Oasen mit gelebter Naherholungsfunktion. Dabei dienen diese oftmals auch als wesentliche Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Nicht nur das ehemalige Tempelhofer Feld, das in einen Park umgewandelt wurde, sondern auch der Britzer Garten sind wichtige Kernflächen für den Biotopverbund Berlins. Andere Rückzugsräume für die heimische Tier- und Pflanzenwelt bieten Rudower Fließ, Hasenheide, Maybachufer und Landwehrkanal. Insbesondere das ehemalige Flugfeld Tempelhof repräsentiert ein wichtiges Refugium für Tierarten, die auf Offenland angewiesen sind: z. B. Östliche Felsen-Mauerbiene (Osmia mustelina), Heidegrashüpfer (Stenobothrus lineatus), Schwalbenschwanz (Papilio machaon) oder Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe). Die eiszeitlichen Pfuhle und zahlreichen Parks und Friedhöfe in Neukölln sind weitere wertvolle Biotope – mitten in Berlin. Im Ortsteil Britz wohnen zwar nur etwa ein Viertel der Menschen des Ortsteils Neukölln, Britz verfügt aber über eine hohe Anzahl an Parks, Grün- und Wasserflächen.